Ortler 2013


Mit Richard

Ende September starteten wir in Richtung Ortler. Ausnahmsweise ohne Skier. Für Richard war es die erste Tour mit soviel Gepäck über mehrere Tage. Jedes Bike hatte gut 95kg.

Die Anreise

Gestartet sind wir in Bad Endorf. Über den Innradweg ging es zunächst nach Weer. Gut 120 Kilometer am ersten Tag und eine Moräne, die sich uns in den Weg stellte. Das Wetter war soweit okay, nur leichter Gegenwind. Tags drauf fuhren wir weiter nach Landeck. Das Wetter wurde zunehmend schlechter, auch wenn der Wind nachgelassen hat.

Dass es mit so viel Gepäck für unsere Bikes eine Extrem-Belastung ist, lässt sich ja denken. Und so kam es, dass an Flori´s Bike kurz vor Landeck die neue Kette gerissen ist. Ersatzglieder waren ja dabei und der Schaden schnell behoben.

Nach der Nacht in Landeck kam die erste Knochenarbeit mit den Rädern. Am Inn entlang ging es erstmal in die Schweiz, um von dort aus dann über die Norbertshöhe zum Reschenpass zu gelangen. War am Morgen noch leichter Nieselregen, so wurde das Wetter ab dem Grenzübergang schöner. Bei einem Kaffee in Martinsbruck lernten wir auch ein Pärchen kennen, die mit ihren Rädern nach Singapur unterwegs waren.

Der nächste Tag sollte uns schließlich zum Fuße des Ortlers führen. Von unserem Campingplatz aus war er schon zu sehen. Aber zunächst ging es mal mit durchschnittlich 65 km/h ins Vinschgau, um weiter Richtung Stilfser Joch zu fahren. Am Nachmittag erreichten wir schließlich auch unseren Ausgangspunkt Trafoj am Stilfser Joch.

Der Berg

Noch am späten Nachmittag starteten wir zu Fuß, um schon einmal zur Berglerhütte zu kommen. Um diese Zeit haben alle Hütten am Ortler schon geschlossen, aber wir gehen mittlerweile eh nur noch mit Schlafsack. Als Schlafplatz nutzten wir das kleine Kinderhaus an der Berglerhütte. War zwar etwas klein, aber gemütlich. Nur Richard musste zum Schlafen seine Füße aus dem Häuschen baumeln lassen.

Der nächste Tag startete gleich mal mit einem super Sonnenaufgang. Wir waren etwa 50 Höhenmeter über der Wolkendecke. Und so bot sich uns beim Weitergehen ein sehr schönes Panorama.

Ursprünglich wollten wir am zweiten Tag zum Lombardei-Biwak aufsteigen.

Nach gut 2,5h Aufstieg erreichten wir die Payer Hütte. Dort war erst einmal Pause und essen angesagt. Währenddessen trafen wir immer wieder Bergsteiger. Auch ein ortskundiger Bergführer war mit in einer Gruppe. Er riet uns aus „hygienischen“ Gründen vom Biwak ab. Also beschlossen wir, im Winterraum der Payer Hütte zu übernachten und Kräfte zu sammeln. Gegen Abend kam schließlich noch eine Seilschaft aus Köln mit dazu.

Als wir am dritten Tag gegen 05:00 morgens aufstanden, waren die Temperaturen auf 3100 bereits im „Plus“-Bereich. Trotzdem wollten wir einen Gipfelsturm wagen, vorausgesetzt wir kommen zügig durch die Kletterpassage. Auch die Seilschaft aus Köln startete gut 15 Minuten vor uns.

Die ersten Klettermeter gingen gut, auch wenn der Fels nass war. Aber wir merkten, dass wir nicht blind den Griffen vertrauen können. Viele waren schon sehr locker und auf Grund der erhöhten Temperatur nicht mehr festgefroren. Also hieß es vorsichtig klettern. Aber trotzdem kamen wir sehr gut voran.

Dann allerdings kam es zu einer Situation, die leider viel zu oft in den Bergen vorkommt.....

Gegen Ende der Kletterpassage holten wir die Seilschaft aus Köln ein. Auf den ersten Blick sahen wir aber nur einen der beiden. Den zweiten und unerfahreren sahen wir nur durch Zufall im unteren Bereich der Schlüsselstelle, wie er sich bereits „festgeklettert“ hatte und nicht mehr weiter kam. Auch ein Zurückklettern war für ihn in dieser Situation nicht mehr möglich. Kurzerhand war es für uns selbstverständlich, dem zweiten Bergsteiger aus seiner absturzgefährdeten Situation zu helfen.

Flori kletterte zu ihm, während Richard sich auf den Weg machte, den „Erfahreneren“ zu unterstützen. Wir würden ihn aber nicht als „erfahren“ bezeichnen, da er die gesamte Situation viel zu locker nahm. Standbau sah für ihn so aus, dass er einfach das Seil bei sich im Gurt mit einem Karabiner einhing und sich gemütlich auf einen Fels setzte. Während Flori den Kletterer erst einmal sicherte, erreichte Richard den zweiten der Seilschaft genau in diesem Moment, als er schrie, dass die Seilsicherung „steht“. Zur Frage, wo denn das Seil fixiert sei, kam Flori gar nicht mehr, da schrie Richard schon, dass, egal was wir machen, wir die Finger von dem Seil lassen sollen.

Somit war für uns klar, dass im oberen Bereich nur noch Richard das Sagen hat. Während Richard einen Stand im oberen Bereich baute, setzte im unteren Bereich bereits auf Grund der ansteigenden Temperaturen Steinschlag ein. Als Flori den Festgekletterten fragte, wo denn sein Helm sei, meinte er nur, dass sein Partner meinte, dass sie keinen bräuchten und er im Auto liege. Da liegt er gut. Auch als Flori ihn über die weitere Vorgehensweise, Aufstieg am Fixseil, aufklärte, wurde erst einmal klar, wie unerfahren beide waren. Was eine Steigklemme ist wusste er nicht einmal. Und auf Floris weitere Frage, wie er denn im Falle eines Spaltensturzes seinen Partner bergen wolle, zuckte er nur mit den Schultern und meinte: „Er hat gesagt, er fällt schon nicht hinein.....“

Das nennen wir mal eine sehr zuversichtliche Einstellung....

Als endlich die obere Seilsicherung stand, kletterte Flori mit dem „unerfahrenen“ Bergsteiger langsam wieder zurück zum Abzweig, immer im Kontakt mit Richard. Nach gut zwei Stunden war letztendlich der zweite Bergsteiger wieder bei seinem Partner. Auf die Frage, warum denn der „Erfahrenere“ seinen Partner alleine gelassen hatte, antwortete er nur, dass er halt mal musste. Die gesamte Situation hätte fast mit einem Absturz geendet, aber da lachte er nur.

Für uns stand zu diesem Zeitpunkt fest, dass wir den Aufstieg abbrechen werden. Zu warm, zu viel Zeitverlust, zu hoch das Risiko. Der „Gerettete“ wollte auch umkehren, wurde aber von seinem Partner zum Weitergehen „gezwungen“. Zum Abschluss meinte er nur, dass ja in der Karte ein Weg eingezeichnet sei.....

Noch während wir zurück kletterten, sahen wir beide weiter gehen; Ohne Seilsicherung auf dem aufgeweichten Gletscher. Wie so oft war auch hier leichtsinniges Verhalten am Berg gegeben...

Für uns hieß es langsam und vorsichtig klettern. Der Fels war nun wegen der hohen Temperatur sehr brüchig. Jeder Griff musste auf Festigkeit und Halt überprüft werden. Erschwerend kam noch hinzu, dass sich Flori während der ganzen Rettungsaktion den rechten Knöchel verletzt hatte und um so vorsichtiger klettern mußte. So dauerte es gut zwei Stunden, bis wir wieder an der Payer Hütte waren. Noch kurz was essen, um im Anschluss den Abstieg in Angriff zu nehmen.

Gegen Nachmittag erreichten wir dann unsere Räder. Noch schnell das Material verstauen, und dann gleich weiter ins Tal auf einen Campingplatz. Einen Tag Pause machen, welchen wir dringend nötig hatten.

Nach der Pause stand aber fest, dass es für Flori wegen seines verletzten Knöchels nicht möglich ist, wieder nach Hause zu radeln. Kurzentschlossen ging es noch an einem Tag mit den Rädern bergab durch das Vinschgau nach Bozen, wo wir abgeholt wurden.

Für uns war dieser Trip sehr lehrreich für die „Mont Blanc“-Tour. Trotz des Zwischenfalls mit der Seilschaft aus Köln war es aber eine sehr schöne und erlebnisreiche Tour. „König Ortler“ wird aber noch bestiegen, dann aber wieder mit den Tourenskiern.

 

 

Berg Heil

 

 

Richard & Flori


Diashow der Anreise


Diashow vom Berg


Anmerkung:

 

Wir wollen es uns nicht herausnehmen, über andere Seilschaften zu Urteilen und schlecht zu machen. Auch wollen wir nicht den Eindruck hinterlassen, dass wir alles richtig machen.

 

Leider ist es nur in der heutigen Zeit so, dass viele Bergsteiger sich blindlings auf Berge begeben, ohne sich über die alpinen Gefahren im klaren zu sein....

 

Falsche Ausrüstung, mangelnde Erfahrung, Selbstüberschätzung und zu wenig Ausbildung sind häufig der Grund für Unfälle am Berg.

 

Auch ist den meisten nicht bewusst, dass im Falle eines Unfalls das Leben Dritter ( Bergwacht, Bergretter, Ersthelfer ) riskiert wird.

 

Wenn man, so wie im Fall der Seilschaft aus Köln, Situationen zu locker nimmt, dann muss man mit Unfällen, die auch tödlich ausgehen können, rechnen.

 

Getreu dem Motto:

 

„Wird schon gut gehen“

 

Dieser Satz hat schon viele das Leben gekostet......